What does 'holistic' mean?

Holistisch bedeutet so viel wie ganzheitlich. Der Holismus ist eine philosophische Lehre, nach der alle Daseinsformen im Universum (physikalische, biologische, aber auch kulturelle) die Tendenz aufweisen, sich zu höher integrierten Einheiten zusammenzuschließen. Nach dieser Lehre nimmt die Komplexität im Universum zu. Mit der Ganzheit entsteht etwas Neues durch die Integration der Teile auf einem höheren Niveau. Der Holismus betrachtet gegebene Daseinsformen als etwas Ganzes und nicht als etwas aus Teilen Zusammengesetztes. Erst der Zusammenhang der Bestandteile bewirkt die Struktur der Ganzheit. Den Begriff 'Holismus' prägte der Südafrikaner Jan Christiaan Smuts (1870-1950). Doch schon Aristoteles lehrte, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Teile. Den systematischen Ansatz erarbeitete als Erster der englische Biologe John Scott Haldane.

Beim holistischen Denken richtet man seine Aufmerksamkeit auf die Beziehung zwischen dem fokussierten Objekt und dem Kontext in dem es sich befindet. Man versucht, auf dieser Basis (statt auf der Grundlage von Regeln) Ereignisse zu erklären und vorherzusagen. Holistische Ansätze basieren eher auf Erfahrungen und weniger auf abstrakter Logik. Holistisches Denken kann intuitiv sein. Es bedeutet, die Verbundenheit von allem mit allem mit einzubeziehen.

Schamanismus

Der Schamanismus ist die älteste holistische Methode, derer sich Menschen über lange Zeiträume hinweg bedient haben. Alexander Zick hat in einem Arbeitspapier des Fachbereichs Wirtschaft der FH Hannover anhand des Schamanismus verdeutlicht, was mit holistisch gemeint ist: In der schamanischen Weltsicht ist der Mensch Teil des Kosmos und die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und den Mitgeschöpfen steht im Mittelpunkt des Interesses.

Schamanen nehmen vor allem Vermittlerfunktionen zwischen Diesseits und Jenseits, Menschen und Geistmächten, Lebenden und Toten (Ahnen) wahr. Das ist existenzunabdinglich, da die Welten ein komplementäres Ganzes bilden, Wohl- und Fehlverhalten in ihren Auswirkungen niemals lokal auf eine beschränkt bleiben, sondern immer die anderen, das heißt die gesamte Natur mit beeinflussen. Im Schamanismus ist die Wissenschaft nur ein Erklärungsfaktor unter vielen. Sie steht mit anderen Erklärungsfaktoren in Beziehung, um Phänomene verschiedener Wissensebenen und miteinander verknüpfte Formen menschlicher Erfahrung, Wahrnehmung und Gefühle zu begreifen.

Auch der Kosmos, in seinen Teilen wie als Ganzes, verfügt nach diesen Vorstellungen über einen Willen, ein Bewusstsein und über Empfindungen. Alle Erscheinungen dieses schamanischen Universums beeinflussen sich gegenseitig in unterschiedlichem Maße und mit unterschiedlicher Kraft. Der Schamanismus bietet die notwendige Verbindung zur Erde, zur ursprünglichen, lebendigen Erde (die Erde begriffen als Lebewesen), zum Lebensraum, in dem der Mensch nur eine der Möglichkeiten ist. Der Schamane arbeitet für eine harmonische, friedliche Welt von Mensch und Natur bzw. von Natur und Mensch. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht die Natur.

Dualismus contra Holismus

Die Unterschiede zwischen der von der westlichen Wissenschaft entwickelten Auffassung des Universums, der Natur, des Menschen und des Bewusstseins und derjenigen der vorindustriellen Gesellschaften (damit auch der schamanischen Kulturen) werden gewöhnlich mit der Überlegenheit der materialistischen Wissenschaft über den Aberglauben und das primitive magische Denken dieser Kulturen erklärt. Dem Schamanismus liegt mythisches und magisches Wissen zu Grunde, das nicht in unserem westlichen Sinn gelernt werden kann, sondern in das man initiiert wird. Während die westliche Wissenschaft versucht, die Welt in unseren Kopf hineinzuziehen und dort zu sezieren, geht es bei den Schamanen bzw. im holistischen Denken darum, den Kopf in die Welt zu stecken und sich dort umzusehen (und die Welt ganz zu lassen).

Für den Schamanen gibt es keinen Dualismus, sondern ein zusammenhängendes Kontinuum: Alles ist miteinander verbunden und verwoben in einem endlosen Gewebe des Lebens. Der Schamane akzeptiert das ganze Leben als System der "Großen Mutter", an dem er nichts ändern kann und will. Es ist, wie es ist, und es bleibt, wie es ist, es wandelt sich nur.

Heute kultivieren wir hauptsächlich die Überzeugung, dass wir von der Natur und den spirituellen Reichen getrennt leben. So sehen wir uns häufig als Opfer der Umstände und des Lebens.Das westliche, atomistische Weltbild erkennt nur Materie und Bewegung als wirklich, das Ganze wird mit der Summe der Teile gleichgesetzt und lebende Systeme werden auf anorganische Materie reduziert, mit der Folge, dass die Natur letztlich als tot erscheint.

Der Holismus aber sagt aus, dass Prozess, Form und Beziehung das Wichtigste sind, dass Ganzheiten Eigenschaften besitzen, die ihre Teile nicht haben, dass lebende Systeme, wie auch der Geist nicht auf ihre Komponenten reduzierbar sind, mit der Folge, dass die Natur als lebendig erscheint.

Das gesamte Gebäude der modernen Wissenschaft basierte auf der Sicht der Natur, die grundsätzlich in zwei getrennte und unabhängige Bereiche geteilt worden ist: Materie und Geist. Diese Sichtweise stellte die Basis für alle Wissenschaftler dar, die Materie als unbelebt und damit separat vom individuellen Selbst zu behandeln und die materielle Welt als profunde Akkumulation von individuellen Dingen mit von ihnen selbst getrennter Identität zu sehen, die eine gigantische Maschine mit einer gewissen Ordnung bilden.

Die Darstellung der verschiedenen Phänomene durch die Newtonsche Physik und ihre Bestätigungen erwiesen sich nur bekräftigend für die Philosophie von Descartes, des „Cogito ergo sum - Ich denke also bin ich“ so dass westliche Gesellschaften begannen, ihre Identität mit dem Verstand gleichzusetzen.

Das holistische Prinzip in der Wissenschaft

Dass die holistische Sichtweise dennoch Eingang in die Wissenschaft gefunden hat, soll der folgende Abschnitt an Hand von Beispielen verdeutlichen.

Die Newtonsche Physik und die mechanistische Weltsicht gründeten höchst erfolgreich eine ganze Wissenschaftskultur in westlichen Gesellschaften mit spektakulären Erfolgen auf den Gebieten der Physik, der Biologie, der Medizin und der Chemie.
Doch bereits Johann Wolfgang von Goethe hatte eine zukunftsweisende Wissenschaft vorgedacht, indem er Selbst- und Welterkenntnis in ihrer Komplementarität und Ganzheit gesehen hat: „Die Natur zugleich und sich selbst zu erforschen, weder ihr noch seinem Geiste Gewalt anzutun, sondern beide durch gelinden Wechseleinfluss miteinander ins Gleichgewicht zu setzen“ sah er als den richtigen wissenschaftlichen Ansatz an.

Im botanischen Bereich entwickelte Goethe den Begriff der Urpflanze. Alle Organe der Pflanze betrachtete er als Metamorphose von Gestaltungskräften des Blattes.  Besonders in seiner Farbenlehre, der er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hat, zeigte Goethe, wie rein aus den Phänomenen des Lichts und der Finsternis heraus ein Verständnis der optischen Erscheinungen und der Farben entwickelt werden kann, welches an das Empfinden des Menschen anschließt.

Heftig attackierte Goethe seinen Zeitgenossen Isaac Newton, der in sehr abstrakter, vom menschlichen Empfinden losgelöster Art das Licht mit mechanistischen Modellvorstellungen beschreibt.
Dennoch setzte sich  Newton durch. So sind nun heute statt Farbempfindungen nur abstrakte Wellenlängen elektromagnetischer Wellen für ein naturwissenschaftliches Erfassen des Lichtes zugelassen, nicht aber unser tatsächliches Erleben von Farbe, Licht und Finsternis.

Die Physik brachte endgültig eine Aufweichung der starren, westlichen Rationalität: Im 19. Jahrhundert entstand die Wissenschaft der Thermodynamik, die die nicht umkehrbare Natur makroskopischer Prozesse als Folge der Wechselwirkungen innerhalb von kompletten Ansammlungen von Molekülen identifizierte und damit den Bruch der Zeitsymmetrie in der Physik einleitete.
So erhielt die Zeit eine Richtung, die von der Vergangenheit in die Zukunft verläuft. Aber die Thermodynamik des 19. Jahrhunderts erkannte lediglich die Bewegung auf einen Gleichgewichtszustand hin, einen Zustand maximaler Entropie. Ordnung kann auf diese Weise nicht entstehen, nur zerfallen.

Physikalische Phänomene waren eindeutig charakterisierbar: entweder als lokalisierbare Masseteilchen oder als räumlich-zeitlich kontinuierliche elektromagnetische Wellen, aber nicht beides zugleich. Die Quantenmechanik als Durchbruch im subatomaren Bereich zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte den entscheidenden Schritt zur Überwindung einer dualistischen Weltsicht dar. Es gab Experimente, die es nicht mehr zuließen, ein bestimmtes Objekt eindeutig als Masseteilchen oder eindeutig als elektromagnetische Welle zu klassifizieren.

Die philosophischen Konsequenzen dieses Phänomens sickern dennoch nur langsam ins Alltagsbewusstsein. Zulange wurde die radikale Getrenntheit kultiviert und in unserem gewohnten Denken fällt es immer noch schwer, zwei unterschiedliche Seinszustände gleichzeitig zuzulassen.  Offensichtlich verlangt es einige Übung, das holistische Weltbild wieder zu integrieren und mit den Erkenntnissen der Wissenschaft in Einklang zu bringen.