Eine besondere Begegnung der künstlerisch-aktivistischen Art an der Bauhaus Universität Weimar

Die Hüter des Waldes
Das Video zur Spendenaktion mit einer wichtigen Botschaft

Die Stop Motion Academy hat Anfang Februar 2019 an der Bauhaus Universität in Weimar einen interdisziplinären Workshop für Jugendliche, Studenten und Animations-Begeisterte veranstaltet. Der Organisator und Leiter des Workshops, Marcus Grysczok, wurde Anfang Januar durch einen taz- Artikel über die Situation des indigenen Stammes der Huni Kuin in Brasilien und eines Interviews mit Txana Bane, den Sohn des Häuptlings der Huni Kuin, auf ein Projekt des Living Gaia e.V. aufmerksam: den indigenen Stamm zu unterstützen, eigenes Land zu kaufen.

 

Der Verein möchte mit diesem Projekt seinen Beitrag leisten, den bedrohten Amazonas mit seiner einzigartigen Flora, Fauna und indigenen Kulturen zu bewahren. Das ist gerade jetzt wichtig, da seit Anfang Januar der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist. Der Präsident setzte bereits in einer ersten Amtshandlung die Zukunft der Lunge der Erde und der Hüter des traditionsreichen Wissens aufs Spiel. Reservate Indigener sollen vom Agrarministerium neu vermessen werden. Damit werden viele Stämme in ihrer Existenz bedroht.

Living Gaia e.V. wurde 2013 in Berlin von Alexandra Schwarz-Schilling gegründet. Der Verein hat eine enge Bindung zu Brasilien: Alexandra Schwarz-Schilling betreibt das gleichnamige holistische Heilungsbiotops Living Gaia in Alto Paraiso in Zentralbrasilien.  Gleichzeitig pflegt sie seit vielen Jahren eine Freundschaft mit dem indigenen Stamm der Huni Kuin im Bundesland Acre an der Grenze zu Peru. Huni Kuin, das „wahre Volk“, so nennen sie sich selbst. Ein Landkauf soll die Zukunft des Stammes sichern, ein großes Gebiet im Amazonas (ca. 14.000 ha) soll wieder aufgeforstet werden. Derzeit wird das zum Verkauf stehende Land von einem brasilianischen Farmer für Viehzucht genutzt. Für umgerechnet rund 300.000 Euro können die Huni Kuin das Stück Land erwerben. Living Gaia e.V. hat daraufhin das „Amazonas Landkauf-Projekt“ ins Leben gerufen. Die Spenden sollen die unverzichtbare Natur und den Lebensraum der Huni Kuin bewahren und wiederherstellen.

Marcus Grysczoks Vision ist es, Kunst und sozialen Aktivismus zu verbinden und Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern. Im Rahmen seines Workshops sollte ein kurzer Animationsfilm entstehen. So lud er Txana Bane, den Stammeshäuptlingssohn der Huni Kuin sowie Marie Buhaienko von Living Gaia e.V. ein. Sie erzählten den Teilnehmern von dem Projekt und der Geschichte und Tradition der Huni Kuin, holten einen Hauch des Regenwaldes mit seinen Farben, Gerüchen und Liedern nach Weimar. Die Teilnehmer erhielten in den Tagen zuvor eine Einführung in die Grundtechniken der Animation und konnten nun eine Storyline für den Kurzfilm gestalten. Die Geschichten und das Schicksal des Häuptlingssohns inspirierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Es ist eine Kunst für sich zwischen den Fertigkeiten und Vorkenntnissen der Workshop-Teilnehmer zu jonglieren – und alle in den Arbeitsprozess gleichermaßen zu involvieren. Marcus Grysczok hat genau das geschafft. In Zeiten von jungen Aktivisten und Aktivistinnen wie Greta Thunberg und einer riesigen Aufgabe wie der Klimakrise schafft er es, auch jüngere Menschen künstlerisch in das Thema zu führen und für den Aktivismus zu begeistern. Von diesem Tag konnten alle auf vielen Ebenen profitieren, lernen und wachsen.

Ein großer Dank gilt Marcus Grysczok, der die Kooperation und der Bauhausuniversität Weimar, die den Rahmen der Begegnung ermöglichten. Ebenfalls großer Dank gilt Txana Bane. Es ist eine seltene, wunderbare Möglichkeit, einer indigenen Stimme hier vor Ort in Deutschland lauschen zu dürfen. Den animierten Kurzfilm gibt es hier.

Ein Bericht von Marie Buhaienko

Vortrag über Indigene von Survival International und der DBG

Txana Bane, Stammeshäuptlingssohn

Am 21. Februar fand im Außenministerium der Vortrag "Brasilien - Indigene im Visier - Bolsonaros Kampfansage an Klima und Regenwald" statt.

Vielen Dank an Survival International und die Deutsch-Brasilianische Gesellschaft - Tópicos, die Txana Bane Huni Kuin die Möglichkeit gegeben haben, seinen persönlichen Standpunkt zur aktuellen brasilianischen Situation darzulegen.

Die DBG hat bereits einen Post zu der Veranstaltung via Facebook veröffentlicht.

Unsere gute Freundin Birgit Permantier fasste den Abend mit folgenden Worten brillant zusammen:

"Häuptlingssohn Txana Bane Huni Kuin heute Abend im Auswärtigen Amt im Rahmen einer Veranstaltung der Organisation Survival, die sich um den Schutz indigener Völker kümmert. Die Indigenen sind die besten Waldhüter.
Laut Survival sollten die Indigenen an der Spitze der Klima- und Umweltschutzorganisationen stehen, weil sie am besten wissen, wie es geht. Ein wesentliches Element in den jetzt schon dramatischen Klimaentwicklungen und Kettenreaktionen ist der Erhalt des Amazonas Regenwaldes. Kippt der Amazonas Regenwald, indem er zu trocken wird und Feuer fängt oder sich in eine Savanne wandelt, fehlt der Erde der wichtigste verbleibende CO2-Speicher. Falls dieser Kippeffekt eintritt, wird das auch für uns lebensgefährlich.
Zu unserem Entsetzen geht der Trend in Brasilien seit der Wahl von Bolsonaro weiter in Richtung Abholzung und Verfolgung, bzw. Ermordung Inidigener und Umweltschützer. "Es wird systematisch Krieg gegen die Erde geführt", so ein anwesender Journalist heute Abend.
Deshalb ist der Schutz der Indigenen und ihrer Gebiete ein auch für uns überlebenswichtiger Dreiklang: Schutz für die Menschen, für die kostbare und unwiederbringliche Biodiversität und für das Weltklima."

Original Beitrag von Birgit Permantier auf Facebook.

Benefizveranstaltungen

Es haben bereits zwei Spendenkonzerte in Amsterdam und Berlin stattgefunden.

Über 850 Euro konnten somit für unser Projekt gesammelt werden. Ein ganz großer Dank gilt Hagar Michel, welche bei beiden Veranstaltungen die Organisation übernommen hat.
Wir freuen uns über weitere Benefizevents in größeren oder kleineren Rahmen. In Berlin gab es leckeres Essen sowie einen Gesangsabend in einer Privatwohnung. Alles ist möglich. Fühlt euch inspiriert.

Benefizabend Berlin